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WZ_03.04.3021

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122 SAMSTAG, SamStag, 12. Oktober 3. April 2021 2019 2 HEIDENHEIM – Sport in Stadt und Kreis Fotos: Daniela Stängle Krönung für Croonen Verbindende „Macherin“ entscheidender Entwicklungsphasen einer Sportstadt: Rosemarie Croonen über ihren Werdegang bei der Stadt Heidenheim Sportkreispräsident Klaus-Dieter Marx Fotos: Daniela Stängle Geordnete Verwaltungsvielfalt auf dem Schreibtisch, ein Besprechungsbereich, farbenfroher Expressionismus und Blumengemälde an der Wand, vor welcher in den vergangenen 29 Jahren das Sportgeschehen der Stadt Heidenheim miterdacht und entschieden wurde. „Strahlende Farben mag ich gerne, und am liebsten den Frühling,“ sagt Rosemarie Croonen. Degen und Baseballschläger lehnen am Regal, ein Heidenheimer Pokal von 1972 blickt vom Büro der Geschäftsbereichsleiterin über die Sport- und Schulstadt Heidenheim. Die weltberühmte Trophäe des Fechtsports habe einer bei ihrem Vorgänger in diesem Büro stehen lassen. Seither ziert sie die Fensterbank im fünften Stock des Heidenheimer Rathauses. „Der Baseballschläger war ein So kommt So kommt Ihr Ihr Sport Sport in in die die WochenZeitung.de WochenZeitung.de WochenZeitung.de Maike Wagner Maike Maike Teamleitung Wagner Wagner Teamleitung Teamleitung Die WochenZeitung aktuell Die Die in Heidenheim WochenZeitung WochenZeitung ist für aktuell aktuell Ihre in in Sportmitteilungen Heidenheim ist ist für für Heidenheim ist für und Ihre Sportmitteilungen Ihre Sportmitteilungen Veranstaltungshinweise und und 24 Veranstaltungshinweise Veranstaltungshinweise Stunden erreichbar unter: 24 Stunden erreichbar unter: 24 Tel. Stunden erreichbar unter: Tel. E-Mail 0 73 0 73 maike.wagner@hz.de 21 / 347 610 21 // 347 610 Tel. E-Mail E-Mail maike.wagner@ maike.wagner@ 73 21 347 610 E-Mail maike.wagner@ hz.de hz.de hz.de Geschenk von Klaus Eckle, General Manager und Head Coach der Heideheimer Heideköpfe. Kennen Sie den? fragt Rosemarie Croonen mit einem Lächeln und baut sich dabei in Batter-Pose auf, doch eher in Golfmanier, mit der Schlägerspitze am Boden. Mit ihren beiden Beinen am Boden geblieben ist sie, die erste Frau in einer Führungsposition in der Heidenheimer Stadtverwaltung. Den Geschäftsbereich Sport, Schulen und Bäder hat sie seit 1992 unter sich. Zudem ist Croonen stellvertretende Fachbereichsleitung Familie, Bildung und Sport. „Ich bin dankbar dafür, dass ich meine Aufgabe bei der Stadt Heidenheim ausüben konnte und durfte,“ sagt die 65-Jährige, wobei sie findet, dass man bei alldem Demut zeigen müsse. „Denn das Leben kann sich jeden Tag ändern. Mit dieser Einstellung gehe ich jetzt auch in den Ruhestand. Was nicht bedeutet, dass mir das leichtfällt, gerade mit dem aktuellen Wissen, das in mir steckt.“ Worauf sie sich freut, ist, nicht mehr diese ganz große Verantwortung für vieles tragen zu müssen. Der Geschäftsbereich wälzt im Jahr zwischen 17 und 18 Millionen um. „Ich freue mich auf den ersten Sonnenstrahl, den ich auf meiner Terrasse Richtung Waldrand richtig ausnutzen werde, sobald es etwas wärmer wird! Bisher musste ich mir die freien Sekunden dazu geradezu herausschneiden. Nach und nach lasse ich alles Weitere auf mich zukommen.“ Ihrem Ehemann ist sie dankbar, dass er ihr in den über 36 Jahren eine unerlässliche Stütze war. » Bedeutende Entwicklungsphasen einer Sportstadt Stetige Veränderung prägt die Gestaltung der Verwaltungsbereiche Sport, Schule und Bädern und erfordert hohe Flexibilität und schnelle Entscheidungen für geeignete Anpassungen. Als 2006 unter Oberbürgermeister Bernhard Ilg mit der Sportentwicklungsplanung begonnen wurde begann zunächst eine polarisierende Phase gegenüber der Umstrukturierung unter den Sportvereinen. Diese sollte der Sportstadt Heidenheim verlässliche und zukunftsweisende Sportstätten zu bieten. Das Albstadion wurde umgebaut. Der FCH stieg innerhalb von einer Saison von der Regionalliga in die Dritte Liga auf. In kürzester Zeit veränderte sich die Zuschauerkapazität von 10.000 Personen über 13.000 bis zu 15.000 Zuschauern. Da ging es gnadenlos Knall auf Fall. Wir brachten in der Sportentwicklungsplanung gleichzeitig verschiedenen Projekte voran. Am ehemaligen Jahnplatz bezuschussten wir als Stadt die neue Leichtathletikanlage, den Sparkassen Sportpark fast zeitgleich mit etwa 1,7 Millionen Euro. Nach einiger Zeit ergab sich die Möglichkeit, die Jahnsporthalle abzureißen und mit Unterstützung der Stadt das Voith Sportzentrum nach den neusten Anforderungen beim hsb zu bauen. Auch Räume für kleinere Sportgruppen gewannen an Bedeutung und wurden berücksichtigt. Die Turnanlage ist ein Traum und erweckt regional bleibende Faszination. Gleichzeitig konnten wir in Mergelstetten einen neuen Kunstrasenplatz bauen. In Schnaitheim entstand die Seewiesenhalle mit der Besonderheit, dass die Kalthalle von der Ballspielhalle aus beheizt wird. Aufschluss über eine investitionsintensive Zeit der Sportförderung in Heidenheim geben auch die Zahlen: „Zwischen 2008 und 2018 gaben wir eine Investitionssumme von insgesamt 48,9 Millionen Euro für den Sport aus, bei einer Beteiligung der Vereine von 22,4 Millionen Euro,“ berichtet Rosemarie Croonen. „Was die kommende Zeit bringt, ist angesichts der finanziellen Einbußen durch die Pandemie ungewiss. Es ist unklar, was an Finanzen in den nächsten Jahren zur Verfügung stehen wird.“ Was derzeit schon begonnen wurde und die nächsten Jahre ein Thema wird, ist die in die Jahre gekommene Karl-Rau-Halle. Sie muss in mehreren wohl überlegten Schritten saniert werden. Ich freue mich, dass ich noch dazu beitragen konnte, dass wir dafür einen Bundeszuschuss erhalten. Bereits 2018 reichten wir eine Projektskizze beim Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Einrichtungen ein, kamen damals trotz des hohen Aufwandes leider nicht zum Zug, da die Fördersumme dreizehnfach überzeichnet war. 2019 stellten wir beim Land einen Antrag. 2020 konnten wir durch einen Landeszuschuss den Boden sanieren und die Deckenleuchten. Mitten in den Pandemie-Sommerferien 2020 kam die Überraschung: Wir erhielten die Gelegenheit, uns mit dem ehemaligen Plan von 2018 nochmals bewerben. Diesmal wurden wir für einen Zuschuss von rund 3 Millionen akzeptiert. » Rauchende Köpfe und vorausschauende Planung Während Rosemarie Croonens Verantwortung für die allgemeinbildenden Schulen in Trägerschaft der Stadt wurde vorausschauend geplant und ermöglicht, dass Schule in Heidenheim sich weiterentwickeln und gut funktionieren kann. Den Schulbericht 2020/2021 über die allgemeinbildenden Schulen in Trägerschaft der Stadt Heidenheim hat Rosemarie Croonen vor ihrem Abschied aus der Verwaltung noch erstellt und in den Gemeinderat eingebracht. Mit Prognosen der Schülerzahlen in Grundschulen, Werkrealschulen, Realschulen und Gymnasien bis ins Jahr 2026. Thematisiert werden darüber hinaus auch die Entwicklung des Übergangsverhaltens nach Grundschulbesuch in den vergangenen zehn Jahren, die Internationalität an allgemeinbildenden Schulen, die Landkreis-bezogenen Auswärtigenanteile an Realschulen und Gymnasien, die Betreuungsformen an den Grundschulen. Durch viele Rückmeldungen vonseiten der Bevölkerung ist den Mitarbeitern des Geschäftsbereichs bewusst, welch hohen Stellenwert die Heidenheimer Bäder für die Bevölkerung besitzen. 2020 das Waldfreibad zu eröffnen, bedeutete für das Team einen wochenlangen Kraftakt, den sie bei ständig wechselnden Vorgaben im Interesse für den Bürger aus Überzeugung meisterten. Die Köpfe hätten da wochenlang geraucht. » Neuer Aufbruch nach einem liebgewordenen Weg Einen ereignisreichen Werdegang bei der Stadt Heidenheim lässt Rosemarie Croonen ab 1. April hinter sich, der all ihre Stärken und Begabungen zum Wohl einer ganzen Stadtentwicklung zutage förderte. „Man muss es akzeptieren und dazu stehen, dass der Weg, den man hier ging, nun zuende ist. Mein Ziel war immer, dass ich mit erhobenem Haupt und bei relativ guter Gesundheit in den Ruhestand gehe. Dieses Ziel habe ich ja erreicht,“ sagt sie. Als Kind ungarischer heimatvertriebener Eltern hatte ich als Arbeiterkind das Glück, dass eine Grund-

132 SAMSTAG, SamStag, 12. Oktober 3. April 2021 2019 2 HEIDENHEIM – Sport in Stadt und Kreis mögliche Lockerung im Schulbereich bis ins Letzte auszureizen. Ich war nicht bereit, Schlupflöcher dafür zu suchen. Das wäre zum Wohl für uns alle in Ordnung gewesen. Diese Verantwortung für die Umsetzung der Bundes- oder Landesverordnungen empfand ich als Aufgabe gegenüber uns allen. Das ist immer noch eine außergewöhnliche Situation. Auch, wenn es sich mittlerweile wie Normalität anfühlt. » Goldene Münze als Krönung Croonens Bescheidenheit und Demut in allen Ehren: Oberbürgermeister Bernhard Ilg verleiht Rosemarie Croonen am Montag, 29. März voller Hochachtung die Goldene Münze der Sportstadt Heidenheim und somit deren höchste Auszeichnung für den Sport. Das Stadtoberhaupt betitelt Croonen dabei als „einen echten Glücksfall“. „Wer im Sport etwas bewegen will, BRAUCHT Rose Croonen an seiner Seite,“ so der OB. Und das Gute sei: „Wer den Sport in unserer Stadt nach vorne bringen und dafür bessere Rahmenbedingungen schaffen will, WEIß Rose Croonen an seiner Seite!“ Unter den vielen guten Charakterzügen Cronens hebt Ilg ihren besonderen Fleiß, ihre Aufrichtigkeit im Miteinander, ihre uneingeschränkte Loyalität und ein feines Gespür für die Bedürfnisse der Menschen hervor. Allein die Entstehung des 1. FCH berge bereits das Potential ein ganzes Arbeitsleben zu füllen und in einem Moment, in dem viele Augen in der Republik auf Heidenheim gerichtet waren, habe sie gezeigt, was die Stadt binnen kürzester Zeit auf die Beine stellen konnte. Was andere auf Monate hin beschäftigt, habe Rosemarie Croonen in drei Wochen geschafft. Ein Arbeitsverhältnis im eher freundschaftlichen Miteinander sei für den Oberbürgermeister in der Zusammenarbeit prägend gewesen. Anerkennender, andauernder Applaus für Rosemarie Croonen in pandemiebedingt nicht einmal einer 50er statt 500ter Runde folgt. Blumen und Glückwünsche erhält Croonen in allseits ehrerbietender Atmosphäre. dast schullehrerin darauf bestand, dass ich auf ein Gymnasium geschickt werde. Das war damals nicht selbstverständlich. Nach dem Abitur absolvierte ich zunächst eine kaufmännische Ausbildung. Damals war das anders – man konnte sich nicht einfach auswählen, was man wollte. Nach der Ausbildung kam ich zur Stadt Heidenheim in den Bereich Hochbau und begann nach einiger Zeit ein berufsbegleitendes BWL Studium zum Betriebswirt VWA. 1985 begann ich beim Schulund Sportamt und entwickelte mich dort mit einem sehr guten Studienabschluss weiter. 1992 wurde ich die erste weibliche Führungskraft bei der Stadt Heidenheim. Das war damals außergewöhnlich und etwas schwieriger (lacht) – mussten wir uns alles erkämpfen – auf Rosen gebettet, das gab es nicht. Für mich war das immer so, dass ich selbst am allerwenigsten mit mir selbst zufrieden war. Ich habe nie damit aufgehört, selbst an mir zu zweifeln. Mir nie eingebildet, ich sei der Beste. Ich forderte mich selbst immer wieder aufs Neue selbst heraus und war mir selbst nie gut genug. Wenn ich ein Thema bearbeitete, forschte ich zuerst nach der Wurzel und den inneren Zusammenhängen und Ursachen, um eine tragfähige, zielgerichtete Entscheidung treffen zu können. Das hat sich stets bewährt. Auf diese Weise gelang es mir, ein breites Wissen zu erarbeiten. Ich sprach nie über Dinge, die ich (noch) nicht verstanden und durchdrungen hatte.“ Ein abschließendes Urteil über Quotenfrauen möchte Croonen nicht fällen. Es können schon sein, dass man als Frau mehr Leistung erbringen müsse. Ihren Eltern ist Croonen dankbar, bereits in früher Kindheit zum Kämpfer erzogen worden zu sein: Aufgeben hat es zuhause nicht gegeben, das war keine Option. » Der Rosemarie-Croonen-Führungsstil Auf die Frage, was sie jungen Frauen mit auf den Weg ins Berufsleben geben würde, sagt sie: Du musst sehr viel Ehrgeiz haben, dich selbst hinterfragen, nicht davon ausgehen, dass irgendetwas automatisch geht. Du musst nach außen sehr selbstbewusst auftreten und das kannst du, wenn du dir über deine Leistung und dein Wissen sicher bist. Dann musst du nichts spielen, denn dadurch bist du selbstbewusst. Du musst mit dir selbst im Reinen sein. Authentisch. Mir als Führungskraft im Geschäftsbereich 40/52 habe ich es verboten, dass mir jemand auf Knien oder unterwürfig hätte entgegentreten müssen, im Gegenteil, das konnte ich nicht leiden. Mir hat jeder auf Augenhöhe begegnen können. Ich war bestimmt auch sehr streng, doch auf Augenhöhe, weil ich dies auch gegenüber mir selbst war. Dabei bin ich nie mit Chefgehabe aufgetreten oder habe nur delegiert, um zu sehen, was zurückkommt. Das ging bei mir nicht. Ich denke, im Haus konnte man sich auf mich verlassen, weil man wusste, dass ich viel weiß. Gleichzeitig habe ich bei der Fülle an Entscheidungen, die zu treffen waren, immer versucht, den gesunden Menschenverstand einzuschalten. In unserem Fachbereich gibt es nicht die drei Regellexika, in denen steht, wie man etwas schon immer gemacht hat. Meine Arbeit war geprägt durch die Anforderung hoher Flexibilität und schneller Reaktion auf Veränderungen. Zu meinen Entscheidungen bin ich gestanden. Im Umgang habe ich mich immer sehr auf Fakten beschränkt, auch wegen der umfangreichen Arbeiten. » Pandemie und Schule „Während der Pandemie war mir wichtig, allen nahezulegen, nicht jede » Der Weg zur guten Entscheidung Wie man eine gute Entscheidung trifft? „Ganz einfach,“ kommt die Antwort ohne Zögern. „Man sucht nach der Wurzel, vergegenwärtigt sich schnell Vorteile und Nachteile. Selbst, wenn es dann schmerzt, und das Ergebnis nicht den eigenen Vorlieben oder dem eigenen Bauchgefühl entspricht, muss die Entscheidung getroffen werden, die dem Ziel am nächsten kommt. Gute Entscheidungen trifft man nicht aus dem Gefühl heraus. Dabei verliert man sonst irgendwann. Denn die eigene Wahrnehmung entspricht nicht immer der bestmöglichen Lösung. Ich musste schon viele Entscheidungen treffen, die mir nicht passten. Man muss den Tatsachen ins Auge blicken.

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