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Ausbildungs- und Studienmesse

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Ausbildungs- und Studienmesse

Man stellt eben nicht

Man stellt eben nicht nur Bücher ins Regal. Carla Friemel Auszubildende Zwischen Menschen und Büchern Carla Friemel liebt Bücher und Kinder. In der Stadtbibliothek kann sie beides miteinander verbinden. Dort macht die 18-Jährige eine Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste. Von Sandra Gallbronner "Ich habe früh angefangen, viel zu lesen“, erzählt Carla Friemel. Bereits in der vierten Klasse verschlang sie ein Buch pro Woche. Vor allem Reihen wie „Hanni und Nanni“ und die „Fünf Freunde“ hatten die Heidenheimerin in ihren Bann gezogen. Zu den Büchern der englischen Jugendbuchautorin Enid Blyton gesellten sich rasch auch Fantasy- Werke. Heute – rund neun Jahre später – liest Friemel nicht nur gern Bücher, sondern arbeitet auch mit ihnen. Die 18-Jährige macht in der Stadtbibliothek Heidenheim eine Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste. Mittlerweile ist sie im zweiten Ausbildungsjahr und überaus zufrieden mit ihrer Berufswahl. Zunächst habe sie lange Kindergärtnerin werden wollen. Doch nach einem Praktikum in der Heidenheimer Stadtbibliothek – damals noch im Elmar-Doch-Haus – war ihr eines klar: „Es macht Spaß, jungen Menschen das Lesen zu vermitteln.“ So konnte die Schülerin den Spaß am Umgang mit Kindern und ihre Vorliebe für Büchern verknüpfen. Zudem schätzt Friemel die Abwechslung in ihrem Beruf. So steht sie jeden Tag aufs Neue mit unterschiedlichen Menschen aller Altersklassen in Kontakt. Auf diese muss sie individuell eingehen. Denn jeder Besucher hat andere Wünsche und Vorlieben. „Ich führe viele Gespräche und berate die Leser“, erklärt die Auszubildende. Darüber hinaus planen Famis Veranstaltungen, etwa Lesungen oder Bastelangebote für Kinder und führen Schüler durch die Bibliothek: „Man stellt eben nicht nur Es macht Spaß, jungen Menschen das Lesen zu vermitteln. Carla Friemel Auszubildende Bücher ins Regal.“ Nach dem Realschulabschluss startete Friemel ihre Ausbildung als Fami – vormals auch als Bibliotheksassistentin bezeichnet. Drei Jahre dauert die Ausbildung. Der Blockunterricht findet alle zwei Monate in Calw im Schwarzwald statt, wo sich die nächstgelegene Berufsschule für Famis befindet. Wer ein Abitur in der Tasche hat, kann auf zwei Jahre verkürzen. Alle anderen haben die Möglichkeit, neben dem Berufsabschluss, die Fachhochschulreife zu erlangen. Auch Friemel hat sich für diesen Weg entschieden: „Ich möchte es mir offenhalten, zu studieren.“ Bibliothekarswesen könnte sie sich vorstellen. Doch Friemel gibt zu, acht bis neun Stunden täglich zu lernen, das hat es in sich. Volles Programm ist auch in der Bibliothek geboten. Während die Bibliothekare öffentliche Führungen in der Bücherei anbieten, leiten die Bibliotheksfachangestellten Führungen für Schulklassen. Nun im zweiten Ausbildungsjahr darf auch Carla Friemel mithelfen. Und genau hier ist sie in ihrem Element. So muss sie sich überlegen, wie sie

Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste 21 Kindern spielerisch den Umgang mit Medien beibringen kann. Wie sucht man im Bibliothekskatalog (Opac) nach Büchern? Und wie finde ich diese dann auch im Regal? Jedes Jahr gebe es hierbei ein eigens ausgewähltes Thema, etwa Piraten, Reisen oder Detektivgeschichten, erzählt Friemel. Dann bekommen die Schüler beispielsweise Fragen vorgelegt, deren Antworten sie in Büchern heraussuchen müssen. Daneben organisieren Famis Bastelnachmittage und Lesestunden für Kinder und helfen bei Veranstaltungen, wie Lesungen oder Theaterstücken. Dabei verkaufen sie Eintrittskarten und kümmern sich vor und während der Veranstaltung um einen reibungslosen Ablauf. Doch zurück zum Kern des Geschäfts: Die Medien, die die Besucher zurückbringen, müssen die Mitarbeiter nicht von Hand sortieren. Denn dafür gibt es eine Sotieranlage, die direkt mit dem Rückgabefach verbunden ist. Sie unterteilt die Abgaben in die Kategorien Nonbooks (DVDs, CDs, Hörbücher, Konsolenspiele), Kinderbücher, Sachbücher, Romane sowie Taschenbücher. Anschließend prüfen die Famis die Medien auf Schäden. Sind die Seiten locker, der Buchrücken beschädigt oder Flecken zu sehen? „Bei einem Buch habe ich mich mal über den Geruch gewundert“, erinnert sich Friemel. Heraus kam: Das Buch roch aufgrund eines Wasserschadens bereits modrig. Meist sei aber alles in Ordnung. Oft stecken in den Büchern allerdings noch Lesezeichen, nicht selten sind das Postkarten oder Bilder. „Das legen wir dann zurück und schreiben die Leser an“, so Friemel. Und dann geht es ans Einräumen. Im Schnitt sind damit sieben Famis beschäftigt. Nach einer bis anderthalb Stunden sei alles erledigt. Entgegen so manchem Vorurteil sortieren die Fachangestellten der Bücherei eben nicht hauptsächlich Bücher ein. Daneben kümmert sich Friemel auch um die Büroarbeit. Sie bestellt neue Medien und nimmt diese in das System auf. Täglich kommen ein bis zwei Päckchen an. Zudem muss die 18-Jährige die Medien mit einem Bibliotheksstempel sowie einem speziellen Kleber, auf dem alle wichtigen Informationen abgespeichert sind, versehen. Anschließend bindet sie die Bücher ein und sichert etwaige Beilagen. Generell fungieren Bibliotheksfachangestellte als Ansprechpartner für die Besucher. Deshalb befindet sich im Eingangsbereich der Heidenheimer Stadtbibliothek eine große Theke. Dort geben die Angestellten Auskunft, kümmern sich um Neuanmeldungen, nehmen Spiele zurück oder erklären den Besuchern, wie die Selbstverbuchung funktioniert. Geht es um konkrete Fragen, etwa bezüglich eines Referats, verweisen die Famis meist an die Bibliothekare, die über ein vertieftes Wissen verfügen. Zu guter Letzt beaufsichtigen die Famis der Heidenheimer Stadtbibliothek den Gamingroom, der mittwochs und freitags geöffnet hat. Dort können Besucher ab zehn Jahren Fifa, Mario Kart oder Fortnite spielen. „In einem gewissen Rahmen kann man auch mitspielen“, gibt Friemel zu. Und auch wenn die 18-Jährige nach der Arbeit oft platt ist, weiß sie eines sicher: „Ich würde mich immer wieder so entscheiden.“

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