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12.02.2020_WZ

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SamStag, 15. Februar

SamStag, 15. Februar 2020 30 Von einem „Feuer“ für junge Talente, das verbindet und überspringt Für die Leser der WochenZeitung stellen Initiator OB Bernhard Ilg, Geschäftsführerin Simona Diehm und der Landkreisbeauftragte Rudolf Hollein das neue Programm der Zukunftsakademie Heidenheim vor. Mit der ZAK – der Zukunftsakademie der Stadt und des Landkreises Heidenheim ist ein wichtiges Werkzeug geschaffen, um Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg in ihre persönliche und öffentliche Zukunft zu begleiten. Oberbürgermeister der Stadt Heidenheim Bernhard Ilg, ZAK Geschäftsführerin Simona Diehm und Landkreisbeauftragter Rudolf Hollein geben Einblick in die Entstehungsgeschichte der Akademie und sprechen über deren Idee, Arbeitsweise und das aktuelle Programm für das zweite Schulhalbjahr 2019/20. Oberbürgermeister Bernhard Ilg bietet zum Einstieg einige Informationen zur Entstehung der Zukunftsakademie: Ursprünglich hat die Stadt Heidenheim die Zukunftsakademie mit Partnern gemeinsam aufgebaut. Dann haben wir das an den Verein übertragen. Die Bindung zur Stadt ist immer noch sehr intensiv - Klaus Moser (Hauptgeschäftsführer IHK a.D.) steht dem Verein vor, ich bin der zweite Vorstand. Aus der anfänglichen Idee eines großen Mitmachmuseums entstand die Zukunftsakademie. Wir sind eine Industriestadt, die der Technik und dem Ingenieurwesen stark verbunden ist. Daher geht es bei der Zukunftsakademie darum, welchen Beitrag man leisten kann, das natürliche spielerische Interesse (v.l.) Landkreisbeauftragter Rudolf Hollein, ZAK Geschäftsführerin Simona Diehm, Oberbürgermeister und zweiter Vorsitzender des Vereins der Zukunftsakademie Heidenheim Bernhard Ilg. Fotos: Daniela Stängle bei jungen Menschen weiterzuentwickeln und beizubehalten. Wenn wir neben dem, was Schule leisten kann, mit den MINT Themen (Mathema- tik-Informatik-Naturwissenschaft- Technik) kindlich und jugendlich umgehen, gelingt es eher, den Menschen bei diesen Themen zu behalten. In einer wunderbaren Entwicklung fanden wir beim Kultusministerium Akzeptanz, erhielten ein Stundendeputat – Wolfgang Heller übt das aus. Dann kam Rudolf Hollein für den Landkreis dazu und alle Kommunen und die Partner aus der Industrie. Jedes Jahr probieren sich heute zwischen 2.000 und 3.000 Kinder an der Zukunftsakademie aus, um in sich in den MINT Bereichen zu finden. Die Kinder nehmen dabei in den einzelnen Seminaren auch Kontakt zur regionalen Wirtschaftswelt auf, werden vonseiten der Wirtschaft informiert, was sie tun. Ich glaube, dass es gut ist, dass man sich in der Stadt auf diese Weise zusammenfindet. WZ: Frau Diehm, welche Arten von Kursen bieten Sie an? Welche Rolle spielt das ZAK Mobil in Ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen? Simona Diehm: Das Kursangebot an der Zukunftsakademie ZAK ist in schulische und außerschulische, einoder mehrtägige Kurse aufgeteilt. Bei den schulischen Kursen sind wir stark im Grundschulbereich vertreten. Unser ZAK Mobil wird für Grundschulklassen sehr gerne gebucht. Wir erleben dabei sehr wissbegierige Kinder mit großem Interesse. Uns kommt es auf das Verstehen bei den Kindern an. Das hängt stark davon ab, auf welche Weise den Kindern die Inhalte vermittelt werden. Wir möchten das eigene Interesse der Kinder wecken, sich mit den MINT Themen, den Naturwissenschaften zu beschäftigen. Bestenfalls erreichen wir, dass Kinder weitermachen wollen und die kostenfreien Kurse an der Zukunftsakademie besuchen. Damit alle Kinder uneingeschränkt Zugang zu den ZAK Kursen haben, sind alle Kurse kostenfrei. Rudolf Hollein: Wir möchten mit dem ZAK Mobil die Möglichkeit schaffen, dass Kinder uns direkt kennenlernen

SAMSTAG, 15. Februar 2020 31 können. Dadurch erreichen wir diejenigen, bei denen tatsächlich eine eigene Motivation vorhanden ist. Wenn ein Lehrer ein Kind dazu auffordern würde, unsere Kurse zu belegen, käme das nicht vom Kind selbst. Oberbürgermeister Ilg: Ergänzend können Lehrer über die Hector Stiftung einen Schüler für Intensivförderung bei bereits erkanntem Talent empfehlen. Die Hector Stiftung arbeitet mit dem Land Baden-Württemberg zusammen. WZ: Ab welchem Alter können ZAK Kurse von Kindern besucht werden? Welche Kinder nehmen die ZAK Kurse wahr? Simona Diehm: Die ersten außerschulischen Kurse an der Zukunftsakademie beginnen ab der vierten und fünften Klasse. An der ZAK können Kinder Kurse belegen, wenn sie sich für Technik und Naturwissenschaft interessieren. Es kommt nicht die große Masse an Kindern zu uns, aber diejenigen, die kommen, die wollen auch und bringen eigenes Interesse mit. WZ: Könnte man die Zukunftsakademie als Talentschmiede bezeichnen? Oberbürgermeister Ilg: Der Begriff „Schmiede“ triff es nicht ganz. Ich würde die ZAK eher eine „Talentwerkstatt“ nennen. Hochschulen würden später eher am Können der Studenten weiter“schmieden“. Als ZAK verstehen wir uns als eine Talentwerkstatt, bei der es ums Entdecken des eigenen Talents geht. (Simona Diehm und Rudolf Hollein pflichten dem OB bei.) Rudolf Hollein: Die Kinder haben bei uns die Möglichkeit, an sich selbst festzustellen, worin ihr Talent besteht. Oft sind Bereiche im Themenkomplex der Schule gar nicht erfasst und abgedeckt. Ich werde manchmal nach dem Grund für die ZAK gefragt, ob Kinder an der Schule nicht schon genug lernen würden. Durch unser breites Spektrum decken wir viele zusätzliche Bereiche ab, die weit über das Machbare an Schulen hinausgehen. Wir möchten alle Kinder, die „Schätze“ in sich tragen, dazu bringen, diese Schätze zu heben. Wenn unsere Dozenten etwas bei einem Kind bemerken, weisen sie auch auf weitere ähnliche Kurse hin, damit das Kind sich weiter ausprobieren kann. Rudolf Hollein: Zu Anfang hatte die Zukunftsakademie den Untertitel „Talentförderung“ mit dabei. Wir bemerkten jedoch, dass wir eher die Basis bieten, damit Kinder ihre Fähigkeiten testen können und auch herausfinden, was ihnen gar nicht liegt. Auch herauszufinden, was einem gar nicht liegt. Durch die ZAK kann auch eine Fehleinschätzung vermieden werden. Simona Diehm: Von Eltern erhalten wir auch Rückmeldungen, dass sich Kinder in ihren Interessen festigen konnten. Von Firmen bekommen wir zurückgemeldet, dass sie durch die Kurse tatsächlich bestehendes Interesse bei Jugendlichen für ihre Themen erkennen können. WZ: Welche Kurse und Chancen bieten Sie Kindern bei ZAK im zweiten Halbjahr 2019/20? Simona Diehm: Wir haben uns bewusst auch für aktuelle Forschungsthemen der globalen Gesellschaft entschieden. Beispielsweise durch die Lego Mindstorms Kästen möchten wir bei jedem Kind einen Zugang und ein allgemeines Verständnis für das Thema Robotik schaffen. „Scratch“ geht auch in Richtung Programmieren, beginnt spielerisch, ist dann jedoch bereits weiterführend. Diese Kurse leiten unsere im vergangenen Jahr ausgebildeten Schülermentor*innen. Ardulino geht dann in die richtige Programmierung. WZ: Würden Sie aus Ihrer bisherigen Erfahrung so weit gehen zu sagen, dass Talent auch das Interesse im Kind bewirkt? OB Bernhard Ilg: Dass Talent Interesse bewirkt, das denke ich schon. Andererseits halte ich es für sehr wichtig, dass Kinder interessiert werden. Wenn wir einen Beitrag dazu leisten können auf dieser Suche und bei der Entwicklung eines jungen Menschen, wo er seine Interessen hat, seine Stärken, seine Talente, seine Gaben, dann haben wir etwas Entscheidendes für das Kind und die Gesellschaft zustande gebracht. Simona Diehm: Ein gutes Beispiel dafür, dass man ein Talent tatsächlich ausgraben kann, ist ein Junge aus unserem Arduino Kurs. Er kam immer wieder, obwohl er anfangs nicht alles zu verstehen schien. Die Dozenten ließen ihn, weil sie hinter dem außergewöhnlichen Interesse etwas vermuteten. Heute bringt der Junge viele neuen Ideen in den Kurs ein und hat den Kurs bereits mit dem Dozenten zusammen geleitet. Es war ein Prozess, bei dem es das Programmieren als sein Talent entdecken konnte. WZ: Herr Oberbürgermeister, wie ist es gelungen, alle Städte und Gemeinden im Landkreis sowie alle großen und viele kleinen Unternehmen für das Sponsoring der Zukunftsakademie zu gewinnen? Oberbürgermeister Ilg: In der ersten Phase galt es, das Feuer der kleinen Gründergruppe für die Zukunftsakademie durch Präsenz und viel Klinkenputzen zum Feuer des einzelnen Sponsoren zu machen. Sobald wir den Grund für die Zukunftsakademie erklärten, dass wir die Verbindung zu den Betrieben, zur Wirtschaft in der Region suchen, entstand auch Interesse bei den Sponsoren. Die zweite Phase war genauso wichtig, wie meine Funktion als Türöffner: Wir luden Manager und Sponsoren zu den Kursen ein. Dabei erlebten sie den Stolz und die Begeisterung der Kinder, wenn sie zum Beispiel einen Fliegenden Teppich vorstellten. Das hat die Geldgeber sehr stark beeindruckt und in ihrer Überzeugung für die Zukunftsakademie gefestigt. WZ: Vielen Dank für das interessante Gespräch.

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