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Der Patient 03/2018

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Der Patient

Schutzgebühr Zeitung des » Klinikums Heidenheim Aus dem Inhalt Medizinische Klinik II: Telemedizin in der Kardiologie. Seite 2 Magenkrebs: Kann man ohne Magen leben? Seite 3 Kinderklinik: Vorstellung der Frühchenstation, Kinderstation und Kinderambulanz. Seite 4 1 Euro www.kliniken-heidenheim.de Ausgabe 3. Quartal 2018 | 1. Juli 2018 Der Patient STAUfrei-Projekt Darum geht's beim STAUfrei-Projekt Das Klinikum Heidenheim steht vor dem Start des staufrei-Projektes, ein innovatives Hygieneprojekt gegen die Ausbreitung gefährlicher Keime. Frauenheilkunde und Geburtshilfe: Ist Gebärmutterkrebs noch ein Thema? Seite 5 Geriatrie: Struktur des Zentrums für Altersmedizin. Seite 5 Radioonkologie und Strahlentherapie: Therapie ohne Nebenwirkungen. Seiten 6 Stroke-Unit: Schlaganfallaufklärungstag in Heidenheim. Seite 7 Tag des Ehrenamtes: Großer Dank an Ehrenamtliche. Seite 7 5. Heidenheimer Gesundheitskonferenz: Neue Wege in der Gemeindepsychiatrie. Seite 9 Wenn die Seele brennt: Rund 600 Zuhörer bei Vortrag. Seite 9 KIK-TV: Attraktives Fernsehprogramm und Klinikinfofilm für Patienten. Seite 15 Der Mensch besteht aus einer unvorstellbar großen Zahl von Zellen - Muskeln, Knochen, Bindegewebe, Nervenzellen und vielem mehr. Und dennoch ist es so, dass er von einer noch größeren Zahl an Mikroorganismen besiedelt ist. Man schätzt, dass auf eine Körperzelle ungefähr zehn Bakterien kommen. Warum ist das so? Wir sind nicht alleine – und das ist gut so! Bakterien erfüllen auf der Haut und auf den Schleimhäuten sehr wichtige Funktionen. Sie gewährleisten, dass auf der Hautoberfläche ein Gleichgewicht zwischen verschiedenen Mikroorganismen besteht und man beispielsweise nicht von Pilzen überwuchert wird. Im Körperinneren, insbesondere im Darm, erfüllen Bakterien noch zahlreiche weitere, teilweise sehr komplexe Aufgaben im Rahmen von Verdauungsprozessen. Ohne eine gut funktionierende Darmflora kann Staphylokokken-Bakterien ein Mensch nicht überleben. Diese wichtigen und gesunden Mikroorganismen stehen seit Urzeiten in einem Konkurrenzkampf gegeneinander und halten einander in Schach. Um dies effektiv erreichen zu können, haben Mikroorganismen im Rahmen ihrer Evolution potente Abwehrmechanismen entwickelt, wohl bekanntestes Beispiel ist das Penicillin, welches von Pilzen „erfunden“ worden ist, um sich gegen Bakterien wehren zu können. Es ist also nicht verwunderlich, dass Bakterien ihrerseits ebenfalls Strategien entwickelt haben, um sich gegen Stoffe schützen zu können, welche ihnen gefährlich werden könnten. Diese Mechanismen Foto: adobe stock, ©kateryna kon führen dazu, dass Bakterien gegen bestimmte schädigende Substanzen „resistent“ sind. Heute muss man feststellen, dass diese uralten Abwehrmechanismen nicht selten dazu führen, dass Bakterien gegen aktuell eingesetzte Substanzen, die das Bakterienwachstum hemmen sollen und die „Antibiotika“ genannt werden, ebenfalls resistent sind. Es ist wichtig, an dieser Stelle ausdrücklich zu betonen, dass diese Resistenzen bereits vor Jahrtausenden im Rahmen der Bakterien-Evolution entstanden sind und nicht durch Krankenhaus-Behandlungen oder durch Antibiotika-Gaben hervorgerufen werden. Warum ist aber das Thema der resistenten Bakterien heute so wichtig? Betrachtet man die normale Bakterienflora eines Menschen, sind von den dort zu findenden Bakterien immer nur sehr wenige natürlicherweise resistent. Greift man allerdings in diese normale Flora mit Antibiotika ein, sterben nur Bakterien ab, welche gegen die eingesetzten Antibiotika nicht resistent sind. Lesen Sie weiter auf Seite 2. LEITARTIKEL Das STAUfrei-Projekt – warum Staphylokokken? Der Chefarzt der Medizinischen Klinik I, Dr. Martin Grünewald, ist Projektleiter STAUfrei. Was bedeutet staufrei eigentlich? In Kürze heißt dies, dass versucht werden soll, Patienten frei von Staphylokokkus aureus im Krankenhaus zu behandeln. Der ausführliche Titel heißt: Prästationäre Detektion und Sanierung zur Vermeidung von Staphylokokkusaureus-Komplikationen bei elektiven Patienten. Staphylokokkus aureus ist ein sehr häufig vorkommender, „normaler“ Hautkeim, welcher allerdings bei Eindringen ins Körperinnere schwere Infektionen auslösen kann. Staphylokokkus aureus gibt es in zwei Varianten, einmal ohne Resistenz gegen Antibiotika (MSSA, Methicillin-sensibler Staphylokokkus aureus), und einmal mit Resistenz gegen das häufig eingesetzte Antibiotikum Methicillin, dann wird von einem Methicillin-resistenten Staphylokokkus aureus (MRSA) gesprochen. Aufgrund seiner Häufigkeit und aufgrund der Möglichkeit, Staphylokokken einfach nachweisen zu können, ist dieser Keim gut für Untersuchungen geeignet. Andererseits ist dieser Keim aufgrund seiner Gefährlichkeit auch von hoher Bedeutung. Schon heute wird durch entsprechende Kommissionen empfohlen, gezielt die gefährliche Variante, nämlich den MRSA in den Fokus zu nehmen. Eine entsprechend strenge Vorgabe für MSSA besteht dagegen nicht. Nach geltendem Standard wird heute allerdings nur bei Menschen nach MRSA gefahndet, bei denen das Risiko einer Besiedlung besonders hoch ist. Man weiß allerdings, dass durch dieses Vorgehen lange nicht alle MRSA-Träger entdeckt werden. Üblicherweise wird heute erst nach Eintritt in Krankenhäuser nach MRSA untersucht. Dieses Vorgehen ist allerdings sehr problematisch, da hierbei der MRSA noch vor der Entdeckung im Krankenhaus verbreitet werden kann. Das staufrei-Projekt – was wird anders gemacht? Das Neue an STAUfrei ist, dass wir nicht nur Risiko-Patienten, sondern alle Patienten, welche das Krankenhaus für einen Eingriff aufsuchen müssen, auf das Vorhandensein von Staphylokokken untersuchen. Das Neue ist weiterhin, dass die Untersuchungen nicht erst nach Eintritt in den sensiblen Krankenhaus-Bereich, sondern bereits nahe dem häuslichen Umfeld, nämlich in der Hausarzt-Praxis, durchgeführt werden. Werden Staphylokokken nachgewiesen, erfolgt dann eine entsprechende Information und Aufklärung. Im Falle eines Staphylokokken- Nachweises erhält der Patient, nach ausführlicher Erklärung, ein „Dekontaminationsset“, welches weiteres Informationsund Aufklärungsmaterial enthält sowie geeignete Dekontaminationsmittel, mit denen sich der Patient in aller Regel selbst und vor allem in seinem häuslichen Umfeld behandeln kann. Mit diesem Vorgehen wird angestrebt, dass der Patient möglichst weitgehend frei von gefährlichen Staphylokokken in das Krankenhaus eintritt. Dadurch kann der Eingriff dort mit einem deutlich niedrigeren Infektionsrisiko durchgeführt werden und auch für andere Patienten und das Personal besteht ein deutlich geringeres Übertragungsrisiko. Das staufrei-Projekt – welche Ergebnisse werden erwartet? Dieses Vorgehen ist natürlich zunächst nur eine „gute Idee“. Im Rahmen des STAUfrei-Projektes muss nun bewiesen werden, dass diese Idee im Alltag auch tatsächlich funktioniert. Dazu sind zahlreiche Untersuchungen notwendig, zum einen werden vor dem Eingriff beim Hausarzt, bei Eintritt ins Krankenhaus, nach dem Eingriff / vor Entlassung und im Rahmen eines Kontrollbesuches beim Hausarzt, Informationen über Fragebögen gewonnen. Parallel werden zu allen Untersuchungszeitpunkten auch mikrobiologische Proben genommen, um zu überprüfen, ob Staphylokokken vorhanden sind und ob die Dekontamination erfolgreich gewesen ist. Alle diese Daten werden gesammelt und zentral ausgewertet. Dabei sind selbstverständlich insbesondere die Daten zur Wirksamkeit von hohem Interesse, da es im Rahmen des Projektes allerdings um ein Vorgehen geht, welches hoffentlich auch in die Regelversorgung übernommen werden wird, daher werden auch gesundheitsökonomische Aspekte eigens untersucht. Das staufrei-Projekt – die Dimensionen Über einen Zeitraum von zwei Jahren sollen ab April 2019 etwas mehr als 13.000 Patienten untersucht werden, davon etwa zwei Drittel in der Untersuchungs-Gruppe, etwa ein Drittel in einer Kontrolle- Gruppe. Das Projekt wird aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) mit knapp 3 Millionen Euro gefördert. Als Konsortialpartner sind an dem Projekt beteiligt: das Klinikum Heidenheim als Konsortialführer und der Landkreis Heidenheim mit dem Gesundheitsamt, die AOK Baden-Württemberg, der BKK-Landesverband Süd, die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg, das Institut für Allgemeinmedizin und klinische Epidemiologie der Universität Tübingen, das mikrobiologische Institut des Universitätsklinikums Tübingen sowie die Steinbeis-Hochschule in Berlin eingebunden. Als Kooperationspartner mit im Boot sind die Kreisärzteschaft Heidenheim, die IKK Classic, die Knappschaft, die SVLFG, die Ökumenische Sozialstation Heidenheim Land und die Pflegedienste des Deutschen Roten Kreuzes Heidenheim. Wenn alles optimal läuft, dann…. Um dieses Riesen-Projekt erfolgreich abschließen zu können, müssen sich viele Menschen über viele Monate enorm engagieren. Es müssen zahlreiche Arztpraxen mit ihren ganzen Teams am Projekt mitarbeiten und es müssen viele Menschen / Patienten ihre Zustimmung zur Projektteilnahme geben. Alle gewonnenen Daten müssen zusammengeführt und sinnvoll ausgewertet werden. Dann wird sich zeigen, ob die im Projekt angedachte Strategie im Alltag dazu führt, dass der Eintrag resistenter Keime in Krankenhäuser drastisch reduziert werden kann. Bedeutet dies ein geringeres Infektionsrisiko? Kann durch die gesamte Strategie bei allen Beteiligten, Professionellen wie Laien, eine Kenntnisbasis geschaffen werden, die ein klügeres Verhalten erlaubt? Ach ja, und es müsste parallel gezeigt werden, dass der Aufwand sich bezüglich des Einsatzes - Geld und Zeit - auch lohnt. Wenn, ja wenn all dies gelänge, dann könnte im kleinen Heidenheim tatsächlich ein klein wenig Geschichte geschrieben werden! Martin Grünewald

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